Re-targeting und die Datenschutztaliban
Immer wieder geistern Geschichten übers Ausspionieren von Nutzern mittels Cookies durchs Web. Dieser Tage wieder hat Spon eine Anleitung zum Umgang mit Cookies veröffentlicht. Ich halte das ja gerne mal für leicht hysterisch; zwar nerven auch mich Google-Cookies mit ner Lebensdauer von 30 Jahren und mehr, doch ein gelegentlicher neuer Rechner macht die schönen alten Profile kaputt.
Jetzt lese ich aber in der Internet World Business vom 25. Juni einen Artikel über das AdServer-Unternehmen Newtention und deren neuestes Produkt Follow-Up. Dieses Verfahren funktioniert nach dem sogenannten Re-Targeting-Prinzip:
Re-targeting involves cookie-ing site visitors, tracking their key interactions (such as uncompleted purchases), then serving ads to those visitors related to the same product, or else cross-marketing to them elsewhere on the Web.
Zu gut deutsch also: Wir verpassen dem Surfer ein Cookie und damit erkennen wir ihn, sobald er sich auf einer Website befindet, die bei uns mitmacht. Sollten irgendwann genügend Websites dabei mitmachen, ist das eine wunderschöne Online-Rasterfahndung. Natürlich ist das alles im Grundsatz nicht neu; neu hingegen ist der freche Ton, den Frank Wagner, Vorstand Marketing und Vertrieb des Targeting-Anbieters Nugg.ad in der Internet World dazu anschlägt:
Daten werden ausschließlich als Risiko, nicht aber als Wert auch und gerade für die Nutzer gesehen. (…) Informelle Selbstbestimmung und Schutz der Privatsphäre im Internet dürfen wir nicht einer Datenschutztaliban, die jeden User am liebsten unerkennbar unter einer Burka wüsste, überlassen.
Ja klar Herr Wagner, es hat für mich als Nutzer einen unschätzbaren Wert, wenn auf Ihren Rechnern gespeichert ist, über welche Flüge oder welche Bücher ich mich auf diversen eCommerce-Seiten informiert habe. Und wenn ich auf Seite X den Bestellvorgang abbreche, mache ich das für gewöhnlich im vollen Besitz meiner geistigen Kräfte (vulgo: ich weiß warum) und möchte dann nicht zwei Stunden später auf Seite Y wieder damit belästigt werden.
Und was ist mit den Datenschutztaliban? Solche Ausdrücke fallen ja für gewöhnlich sowieso auf den Urheber zurück, insofern ist jeder weitere Kommentar dazu vergeudete Internet-Bandbreite.
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