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Sabine Christiansen: Überstanden

Gestern abend war es endlich so weit: Sabine Christiansen ist Geschichte. Also die Talkshow, nicht die Frau. Die Frau ist mir denn auch herzlich egal, so lange sie keine Talkshow zur besten Sendezeit macht. Endlich überstanden, Gott sei Dank.

Warum ich mich aufrege? Es zwang mich doch niemand bei Christiansen einzuschalten. Das ist richtig. Meine Aufregung rührt daher, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender eine dafür vollkommen ungeeignete Person zehn Jahre lang eine Sendung machen lässt, die aufgrund ihres Sendeplatzes und der prominenten Gäste eine erhebliche politische Wirkung entfaltete. Christiansen war ja ein Perpetuum Mobile, ja die Inkarnation der self-fulfilling prophecy: Christiansen war wichtig, also waren die wichtigen Leute dort, also war Christiansen wichtig.

Zur gleichen Zeit hat die ARD die guten Politmagazine am Donnerstag um ein Drittel beschnitten, entsprechend schlecht sind Monitor und Co. inzwischen geworden; nur gut, dass sich Frontal 21 (wobei es auch an dieser Sendung genug zu kritisieren gibt) parallel dazu ganz vorzüglich entwickelt hat.

Aber zurück zu Christiansen. Die gute Frau war nicht nur unfähig eine Politikerrunde zu moderieren, die Auswahl der Gäste und der Ablauf der Talkshow mussten dazu führen, dass keinerlei echte Diskussion zustande kam. Wer gleichzeitig mehrere Politiker, einen unmittelbar betroffenen Hartz-IV-Empfänger sowie einen gutmenschelnden Schauspieler einlädt, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Debatte auf mehreren verschiedenen Ebenen abläuft und so die Gäste munter aneinander vorbei argumentieren.

Und dann erst die Titel der Sendungen! „Melkkuh Sozialstaat – sind wir ein Volk von Abzockern?“ oder „Arm durch Arbeit, reich durch Hartz IV?“ - die BILD-Zeitung hätte das nicht besser formulieren können. Trotzdem ertappte ich mich immer wieder dabei, am Sonntagabend doch mal kurz hineinzuzappen, schließlich bin ich politisch viel zu interessiert, um dagegen immun zu sein. Um so größer dann jedes Mal die Enttäuschung, wenn Christiansen anstatt eine Diskussion zu moderieren sklavisch ihren Fragezettel abarbeitete. Aber das ist ja jetzt überstanden, aus und vorbei. Anne Will, übernehmen Sie!

weiterer Lesestoff:

Update: Da passt es ins Bild, dass nun Spiegel Online meldet, Politikprofessor Jürgen Falter sei wieder ausgeladen worden, nachdem er sich zuvor gegenüber einer Tageszeitung recht kritisch zu Christiansen geäußert habe. Selbst nach der letzten Sendung ist das Christiansen-Team höchst unsouverän.

One Response to “Sabine Christiansen: Überstanden”

  1. Jörg Friedrich says

    Meiner Meinung nach hat Sabine Christiansen nur Skandal und nie Aufklärung gesucht. Es gibt auch Moderatoren, die es schaffen, dass ihre Gesprächspartner sich nicht ständig gegenseitig unterbrechen, die durch intelligente Nachfragen (dafür sind sie Journalisten, das sollten sie gelernt haben) Dingen auf den Grund gehen.

    Aber Frau Christiansen gefiel sich in der Rolle der Kampfrichterin, die Streithähne aufeinanderhetzt. Das brachte ihr Quoten und ein Gefühl von Macht. sie war nie besser als die Leute, mit denen sie sich umgab.

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