Seit die Olympischen Spiele in Peking (siehe auch Mein Olympia-Boykott) begonnen haben, fällt mir auf, dass immer häufiger statt des üblichen deutschen Ausdrucks Peking die Bezeichnung Beijing benutzt wird. Hier einige Beispiele:
- Medien beklagen Behinderung durch Behörden in Beijing
- Olympische Pandas in Beijing
- Olympische Spiele in Beijing: Hotels bleiben zur Hälfte leer
- Vorolympischer Besuch: Blond in Beijing
- Wie das Symbol der Olympischen Spiele 2008 für Beijing entstand
Was bitte soll dieser Unfug? Peking ist Peking und nicht Beijing. Punktum. Beijing ist ja nichts anderes als die Lautschrift des chinesischen Namens für Peking. Aber warum sollte ein deutscher Autor die Lautschriftversion eines Namens benutzen, für den es eine deutsche Bezeichnung gibt? Ist das vorauseilende politische Korrektheit? Oder intellektuelle Coolness? Oder einfach nur gedankenlos und dumm? Okay, hätten die Nazis jemals die Zerschlagung Rest-Pekings gefordert, wäre der Namenswechsel verständlich. Aber so?
Wie sieht das dann in ein paar Jahren aus? Berichten deutsche Zeitungen künftig über leere Hotels in Roma? Oder über blonden Besuch in Praha? Und müssten vorbildliche Journalisten dann nicht in Berichten über die Spiele von 1980 vom Boykott von Moskwa schreiben – oder gar vom Boykott von Москва? Auch wenn letzteres wohl manche technische Vervielfältigungseinheit (Schreibmaschine, Druckmaschine, Browser) überfordern könnte.
Wieso kann ich mich eigentlich an keine deutschen Berichte zu den letzten Winterspielen erinnern, in denen vom Doping in Torino berichtet wurde? Klingt das womöglich nicht cool genug? Oder steckt da die Angst vor dem nächsten Großereignis im Grödnertal dahinter, das auf italienisch Val Gardena heißt? Denn Val Gardena wäre ja ebenfalls nicht wirklich politisch korrekt, wird doch im Grödnertal, pardon: in Gardeïna verbreitet ladinisch gesprochen – und das Ladinische sollte nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen auch “in Medien besonders gefördert werden”.
Wer also weiterhin Beijing statt Peking schreibt, sollte sich auch bei allen anderen Namensbezeichnungen dreimal überlegen, welcher Ausdruck nun der korrekteste (sic!) sein könnte. Und wenn 2018 tatsächlich die Winterspiele nach München kommen, erwarte ich die politisch extrem korrekte Überschrift Hotels in Minga komplett ausgebucht!.
Nachtrag: Wie nicht anders zu erwarten, gibt es dafür einen eigenen Ausschuss: Den Ständigen Ausschuss für geographische Namen. Dabei handelt es sich um ein Wissenschaftlergremium ohne besondere institutionelle Verfassung. Dieser Ausschuss gibt eine Liste mit deutschen Wörtern für fremde geographische Bezeichnungen (sogen. Exonyme) heraus. In dieser Liste finden sich viele weitere spannende deutsche Wörter und deren politischhochkorrekte Umschreibung.
Wer also künftig Bezeichnungen wie Peking zugunsten von Beijing aufgeben möchte, soll sich bloß nicht erwischen lassen, Mount Everest zu schreiben! Qomolangma Feng wäre nämlich korrekt. Einen Tibet-Konflikt gibt es demnach auch nicht, sondern höchstens einen Xizang-Konflikt. Versteht zwar keiner, ist aber schön richtig. Und wer jetzt noch eine Kanton-Ente bestellt, den holt der Teufel. Es sei denn, er kann seine Bestellung eben noch in Guangzhou-Ente korrigieren.