Stefan Fischerländer’s Blog One Blog Is Not Enough

Der private Olympia-Boykott

March 19th, 2008

Ich hatte selbst schon drüber nachgedacht, nun hat es mir jemand vorgemacht: Frank Hamm ruft auf seinem Blog zum persönlichen Olympia-Boykott auf.

Ich boykottiere die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Ich werde weder mir Berichte im Vorfeld zu den Vorbereitungen der Olympischen Spiele ansehen oder anhören (außer es ist ein kritisierender Bericht), noch werde ich Berichte von den Olympischen Spielen 2008 in Peking ansehen oder anhören.

Olympia-Boykott Peking 2008

Ich muss gestehen, ich bin mir nicht sicher, ob ich den Boykott vollständig durchhalten werde. Aber meine Beobachtung wird sich sehr in Grenzen halten. Und ich werde versuchen, die Sponsoren zu meiden. Wobei ich ein Problem habe: Lenovo baut leider in Form der ThinkPads die mit Abstand besten Notebooks. Hier werde ich meinen Boykott nicht durchhalten können. Es ist halt wie so oft: Es gibt kein wahres Leben im falschen.

Selbstmanagement - Erfahrungen eine Chaoten und die Hilfestellung eines neuen Buchs

March 18th, 2008

Eine Frau, die mich nicht kennt, hat ein Buch über mich geschrieben. Ich hab das kürzlich in der Auslage eines Zeitschriftenkiosks am Münchner Flughafen entdeckt und mit der Handykamera fotografiert, damit ich mir den Titel nicht merken muss. Ich wollte mir das Buch nicht gleich mitnehmen, sondern erst ein paar Meinungen dazu im Web nachlesen. Einige Tage später also hab ich in Amazon nach dem genauen Titel gesucht, denn das Foto auf der Handykamera hatte ich bereits wieder vergessen. Aber mein Gedächtnis funktioniert gut, ich wusste sogar den Namen der Autorin noch. Die Bewertungen bei Amazon überzeugten mich und auch die Begleitwebsite wirkte interessant, also besorgte ich mir bei Amazon die ISBN-Nummer und bestellte das Buch bei meinem örtlichen Buchhändler, dessen Telefonnummer ich mir über Yahoo besorgte, da Google zu jener Zeit nicht erreichbar war.

Sie meinen, das klingt alles etwas chaotisch? Ja, die Autorin, die dieses Buch über mich geschrieben hat, ist der gleichen Ansicht. Das Buch trägt den schönen Titel “Organisieren Sie noch oder leben Sie schon?” und den viel schöneren Untertitel “Zeitmanagement für kreative Chaoten”. Natürlich wird mein Name in dem Buch kein einziges Mal erwähnt, zumindest nicht auf den ersten gut hundert Seiten, die ich inzwischen durchgearbeitet habe. Aber ich habe inzwischen mehr als fünf Absätze entdeckt, in dem die Autorin Cordula Nussbaum genau mich beschrieben hat; da gibt es keinerlei Zweifel, niemand anders kann dort Vorbild gestanden haben! Auf der bereits angesprochenen Website zum Buch www.kreative-chaoten.com findet sich ein Test, der aufdecken soll, ob man selbst eher ein “kreativer Chaot” oder ein “logischer Ordner” ist. Ich finde solche Tests für gewöhnlich amüsant, aber kaum einmal wirklich erhellend. Doch das Ergebnis des Tests, der sich auch im Buch wiederfindet, war ein Volltreffer: In vielen Teilen der Beschreibung entdeckte ich mich selbst.

Eigentlich kommt das Buch mindestens ein Jahr zu spät für mich. Denn ich habe bereits vor einem Jahr beschlossen, mein chronisch schlechtes Gewissen über meine recht chaotische Selbstorganisation sein zu lassen und mich jeweils so zu organisieren, wie ich das seit eineinhalb Jahrzehnten recht erfolgreich gemacht habe: Mit Schmierzetteln für anstehende Aufgaben, kleinen Kladden für Notizen von kleinen Einfällen und großen Geistesblitzen, mit Post-It-Zetteln auf dem Schreibtisch und mit diversen To-Do-Listen im Computer. Oder auch mit kleinen Kladden für die Aufgaben, Schmierzetteln für die Geistesblitze und Mind-Maps im Computer für Konzepte. Je nachdem, wie ich gerade aufgelegt bin. Und damit ich die Vielzahl an Zetteln nicht verliere, habe ich mir im Laufe der Jahre die diversesten Ringbücher, Kladden und Time-Planer zugelegt, die es in den gut sortierten Schreibwarenläden so gibt. So besitze ich derzeit von Filofax sowohl einen großen Planer im DIN A5-Format als auch einen kleinen in “Pocket”-Größe, was wohl ungefähr DIN A7 entsprechen dürfte. Von Time/system habe ich einen ähnlich kleinen, aber etwas länglicheren Planer im schicken Lederetui, der den Vorteil hat, dass er zusätzlich einen meiner vielen Moleskines aufnehmen kann. Von Eastpak, dem Hersteller der stabilen Rucksäcke, habe ich einen Organizer im Format A6, der farblich und vom Material her wunderbar mit meinem neuen Computerrucksack vom selben Hersteller harmoniert. Und je nach Lust und Laune wechsle ich zwischen diesen jeweils auf ihre eigene Art sehr schönen Hilfsmittel.

Ich muss zugeben, bis vor kurzem habe ich mir nicht eingestanden, dass ich nach Lust und Laune wechsle, sondern hab mir eingeredet, dass wechselnde Anforderungen jeweils wechselnde Hilfsmittel erfordern würden. Und wechselnde Anforderungen hatte ich die letzten Jahre zur Genüge. Erst Cordula Nussbaums Buch machte mir klar, dass das eine Ausrede war und ich als Chaot einfach immer wieder mal was Neues ausprobieren muss. “Organisieren Sie noch oder leben Sie schon?” wird also meine Arbeitsweise nur wenig verändern, aber es macht mir Dinge, die ich bisher getan habe, deutlicher und erklärt, warum ich das so mache und warum das auch gut so ist.

Der große Unterschied zu anderen Zeitmanagement-Büchern oder -Ansätzen ist, dass die Autorin von der eigentlich offensichtlichen Annahme ausgeht, dass Menschen verschieden sind. Was immer ich sonst über Zeit- oder Selbstmanagement gelesen habe, habe ich nach wenigen Seiten wieder angewidert weggelegt. Denn früher oder später kamen in den klassischen Machwerken Vorschläge, die ich im Lauf der Jahre intensiv ausprobiert hatte und bei mir nie funktionierten: “Planen Sie für jede Aufgabe die benötigte Zeit fest in Ihren Tagesablauf ein”, heißt etwa ein fundamentaler Tipp. Toll! Mein Tagesablauf besteht aus “ich stehe irgendwann am frühen Vormittag auf”, “ich werde mittags rum etwas essen” und “ich gehe irgendwann nach 23 Uhr ins Bett” - alles andere ergibt sich aus der Großwetterlage. Wie soll ich da einplanen, dass ich von 13:30 Uhr bis 13:50 Uhr ein Konzept für meinen Vortrag auf der nächsten Konferenz erstellen werde? Was tue ich, wenn da mein Biorhythmus gerade einen auf müde macht?

Auch die so häufig gepriesene Getting Things Done-Ideologie (GTD) funktioniert nicht für mich. Laut GTD soll ich alles aufschreiben was irgendwie wichtig sein könnte. Okay, das mache ich eigentlich immer, ich hab ja meine Schmierzettel, Post-Its, Kladden und Zeitplaner und irgendetwas davon ist immer griffbereit. Kein Problem soweit. Aber die Unterteilung all der zu notierenden Dinge in “Kontextlisten” und “andere Listen” und “Aufgaben” und “Projekte” und “Nächste Schritte” - bis ich das alles gemacht habe, ist ja die Woche längst rum. Immerhin hat die GTD-Bewegung eine sehr schöne und zumindest derzeit noch kostenlose To-Do-Listen-Software hervorgebracht: Tudumo. Damit verwalte ich zur Zeit meine Aufgaben, aber ich glaube, das wird nicht mehr lange gut gehen, denn die Listen werden bereits zu lange - ein untrügliches Zeichen, dass es Zeit wird, auf ein anderes System zu wechseln.

Wenn Sie immer noch zweifeln sollten, ob Sie das erwähnte Buch wirklich benötigen, gebe ich Ihnen noch eine Hilfestellung. In der Einleitung zu Kapitel 2 ist ein Zitat von Albert Einstein, das ich gerne als Desktop-Hintergrund nutzen würde, wenn vom Desktop-Hintergrund auf meinem Rechner (eigentlich sind es mehrere Rechner, ich wechsel da gerne mal zwischen Windows- und Mac-Notebooks) vor lauter abgelegten Files noch etwas zu sehen wäre:

Wenn ein unordentlicher Schreibtisch auf einen unordentlichen Geist hinweist, worauf deutet dann ein leerer Schreibtisch hin?

Natürlich wird auch dieses Einstein-Zitat von den Ordnungsfanatikern angefeindet, etwa in diesem typischen Artikel auf Gulp: “Land unter” auf Ihrem Schreibtisch? Mit der Ignoranz der meisten einschlägigen Autoren werden dort Tipps gegeben, die einem Ordnungsfanatiker ähm einem “logischen Ordner” entsprechen. Doch hat der typische “logische Ordner” in den meisten Fällen einen aufgeräumten Schreibtisch, sonst wäre er ja kein “Ordner”. Wie aber sollen die Tipps eines “logischen Ordners” einem “Chaoten” helfen? Da müsste sich der “Chaot” ja komplett zum “Ordner” wandeln - daran, Menschen komplett zu ändern, sind schon ganz andere Ideologien gescheitert. Natürlich werden die üblichen Vorurteile durch “repräsentative Umfragen” untermauert: So seien “Volltischler weniger erfolgreich”. Dass die Umfrage von einem Informationsdienst in Auftrag gegeben wurde, der davon lebt, die klassischen “Ordner”-Tipps abzugeben, sollte nicht unerwähnt bleiben.

Den Schreibtisch zu entrümpeln, ist nur ein allererster Schritt, der aber nur Symptome bekämpfe, heißt es im Gulp-Artikel. Und weiter: “Wenn Sie nicht Ihr Denken und Verhalten ändern, ist der Schreibtisch im Nu wieder voll.” Mal langsam: Mir wird eingeredet, dass ein leerer Schreibtisch besser bei meinen Mitmenschen ankommt. Schön. Damit ich aber langfristig einen solch schönen leeren Schreibtisch habe, soll ich mein Denken verändern? Was für ein Wahnsinn! Immerhin setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass ein oberflächliches Chaos für bestimmte Typen das normalste der Welt ist - und dass viele erfolgreiche Menschen in den Augen der “logischen Ordner” absolute Chaoten sind.

Zwei weitere Lesetipps dazu:
Chaostage im Büro
Ein bisschen Chaos macht kreativ

Japans führendes Social Network “klaut” Nutzerdaten

March 7th, 2008

Social Communities haben überall auf der Welt mit dem gleichen Problem zu kämpfen: Wie lässt sich die intensive Nutzung der Plattform monetarisieren? Die Klickraten sind extrem gering, weil vergleichsweise wenige Menschen die jeweilige Plattform intensiv nutzen und jeweils auch mit einem genau definierten Zweck auf dieser Plattform online sind. Letztendlich sind ja Social Communities nichts anderes als die uralten Webforen - und wer jemals so ein Ding betrieben hat, weiß, wie schlecht Werbung dort drauf läuft.

In Japan macht genau diese Erfahrung seit längerem das führende Social Network namens Mixi. Und dort hat man sich nun entschieden, so richtig radikal vorzugehen, berichtet zweinull.cc: Alles, was Nutzer jemals auf der Seite veröffentlicht haben, wird nun zum Eigentum der Betreiberfirma erklärt, lediglich die rechtliche Verantwortung bleibt weiterhin bei den Nutzern. Da Mixi auch der größte Anbieter von Blogs in Japan ist, hat das Unternehmen jede Menge Content auf seinen Servern liegen, der sich monetarisieren lassen könnte.

Ich bin gespannt, welch seltsame Blüten der Wunsch der Eigentümer, Social Communities besser zu monetarisieren, auch bei uns noch treiben wird.

“Emma” killt unsere Kirche

March 2nd, 2008

Das Sturmtief “Emma” hat meinem Heimatort heftig zugesetzt. Eine große Scheune wurde komplett zerlegt, zig Dächer abgedeckt, besonders heftig aber traf es unsere wunderschöne fast dreihundert Jahre alte spätbarocke Asambasilika. “Emma” hat der Kirche den oberen Teil des Kirchturms richtiggehend abrasiert, die Spitze krachte in den Dachstuhl. Soweit bisher bekannt, blieben aber die herrlichen Deckenfresken unbeschädigt.

Und hier ein Foto von Spiegel Online:
Asambasilika Osterhofen, ohne Spitze

Heise goes Java - Schwere Zeiten für Perl

March 1st, 2008

Beim Durchblättern der aktuellen Ausgabe der ct fiel mir eine Anzeige des Heise Verlags auf:

Für die Weiterentwicklung von heise online suchen wir ab sofort einen Java-Profi (m/w).

Heise sucht einen Java-Profi - was soll denn das? War Heise doch bis dato das Beispiel in Deutschland für den Einsatz von Perl auch in größeren Systemen.

Im Anzeigentext heißt es dann weiter:

heise online entwickelt seine datenbankbasierten Web-Anwendungen zum großen Teil selbst und bisher fast ausschließlich in der Sprache Perl. Um in Zukunft noch schneller auf die Erfordernisse des Marktes eingehen zu können sowie den Wünschen unserer User und Redaktionen gerecht zu werden, planen wir, einen zweiten Programmierzweig mit der Sprache Java aufzubauen.

Wieso braucht man Java, um schneller auf Markterfordernisse reagieren zu können? Meine Einschätzung war bisher, dass Perl weitaus besser dafür geeignet wäre. Und welche Wünsche der Nutzer lassen sich mit Java realisieren, aber nicht mit Perl?

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Heise sehr wohl auch noch Perl-Profis sucht - und zwar gleich mehrere.

Surprising MySQL behaviour using unsigned int

February 29th, 2008

Today I saw some strange behaviour in my MySQL database. A simple ABS( myval - 600 ) gave me very big numbers whenever myval was less than 600. This happens on my MacBook with MySQL 5.0.45 from the Mac version of Xampp. My Ubuntu box running 5.0.22 does not show this very surprising feature. Yes, it’s a feature, not a bug, MySQL says.

But let’s have a look at my code to reproduce this nice feature:

mysql> select * from test;
+-------+
| myval |
+-------+
|     1 |
|   156 |
|     3 |
|   674 |
|   848 |
|   123 |
+-------+
6 rows in set (0.00 sec)

mysql> select myval, abs(myval - 600) from test;
+-------+----------------------+
| myval | abs(myval - 600)     |
+-------+----------------------+
|     1 | 18446744073709551017 |
|   156 | 18446744073709551172 |
|     3 | 18446744073709551019 |
|   674 |                   74 |
|   848 |                  248 |
|   123 | 18446744073709551139 |
+-------+----------------------+
6 rows in set (0.00 sec)

Of course, there is nothing wrong with the ABS function. It’s the unsigned integer field, that causes this behaviour:

mysql> select myval, myval - 600 from test;
+-------+----------------------+
| myval | myval - 600          |
+-------+----------------------+
|     1 | 18446744073709551017 |
|   156 | 18446744073709551172 |
|     3 | 18446744073709551019 |
|   674 |                   74 |
|   848 |                  248 |
|   123 | 18446744073709551139 |
+-------+----------------------+
6 rows in set (0.00 sec)

Because myval is unsigned, a calculation that would result in a negative value causes some kind of overflow. The correct way to deal with this situation is to use the CAST function:

mysql> select myval, cast(myval as signed) - 600 from test;
+-------+-----------------------------+
| myval | cast(myval as signed) - 600 |
+-------+-----------------------------+
|     1 |                        -599 |
|   156 |                        -444 |
|     3 |                        -597 |
|   674 |                          74 |
|   848 |                         248 |
|   123 |                        -477 |
+-------+-----------------------------+
6 rows in set (0.00 sec)

I hope you’re warned now and don’t make the same mistake. Perhaps it’ll save you some time.

Mein persönlicher Asus EEE PC-Killer

February 25th, 2008

Der Asus EEE PC ist das Computerthema der letzten Wochen. Ich muss gestehen, mich hat die Idee dahinter schon immer fasziniert: Einen kleinen, aber doch nahezu vollwertigen Computer zu haben, der klein und leicht genug ist, dass ich ihn (fast) immer und überall mitnehme. Deshalb haben mich schon vor vielen Jahren der Toshiba Libretto oder das Fujitsu Biblio sehr gereizt; allerdings fand ich deren Preis im Vergleich zur Leistung nicht angemessen.

Fast noch mehr hatten mich schon länger die Thinkpads der X-Reihe begeistert: Das sind noch echtere PCs als der EEE PC. Nicht ganz so leicht (etwa 300g mehr), nicht ganz so klein und damit groß genug, um ordentlich darauf schreiben zu können. Und auch groß genug, um alle Dialogfensterchen zu sehen. Das Asus hat da so seine Probleme - und offenbar fertigen erste Webdesigner nun zusätzlich zum großen desktoptauglichen Design und zum kleinen Mobildesign auch noch EEE PC-Versionen ihrer Websites an. Aber zurück zu den kleinen Thinkpads: Die X-Irgendwasdinger hätten also nen perfekten Formfaktor, doch leider sind sie mir deutlich zu teuer. Ein Notebook, das deutlich über 2000,- Euro kostet ist IMHO nicht wirklich transportabel. Denn dazu gehört für mich, dass ich das Ding nicht behandeln muss wie ein rohes Ei - bei einem 2000 Euro-Gerät mach ich das aber quasi automatisch.

Beim Asus EEE PC ist das anders. Einen wirklich kleinen, aber trotzdem echten PC für 300,- Euro, noch dazu mit einem (fast) unzerstörbaren SSD-Laufwerk - das wollte ich auch haben. Allerdings musste ich feststellen, dass ich nicht der einzige mit dieser Idee war. Das Ding ist nicht zu bekommen, es sei denn mit einem deftigen Aufpreis bei einigen eBay-Händlern. Und gerade als ich mich durchgerungen hatte, den kleinen Linuxzwerg zu bestellen, stolperte ich bei Magic Devices in München über ein wunderbares Angebot: Ein “factory refurbished” Thinkpad X41 für 550,- Euro. Tastatur und Screen sind hervorragend, das Teil hat 1280 MB RAM, einen richtigen Prozessor mit 1.6 GHz, eine 40 GB Festplatte und einen PC Card-Slot - damit hab ich nun sogar wieder einen Verwendungszweck für meine alte UMTS-Karte. Ach ja, auf dem Zwerg läuft ein Windows XP Pro.

Thinkpad X41
Die blaue Karte im Vordergrund (mein 60er-Mitgliedsausweis) hat eine normale Scheckkartengröße - nur so zum Vergleich.

Eigentlich war das X41 als Gerät zum Surfen auf der Couch oder im Cafe gedacht - inzwischen begeistert mich das Teil derart, dass ich es auch im Büro als Hauptrechner benutze. Da kann von mir aus das Asus EEE PC noch lange nicht lieferbar sein.

Mein Praxisvergleich zwischen Apple Mac und Windows

February 18th, 2008

Seit drei Jahren etwa arbeite ich nun überwiegend auf dem Mac, erst auf einem G4 iBook, seit etwa zwölf Monaten auf dem MacBook. In den Neunzigern hatte ich auch schon hin und wieder sowohl privat als auch am Lehrstuhl Macs genutzt, war aber nie ganz umgestiegen. Mit den diversen Windowsen bin ich seit etwa 1992 am Werkeln, meist in einer Art Hassliebe verbunden, so dass ich auch mehrmals versucht habe auf Linux zu wechseln, aber das hat nie so ganz geklappt.

Meine inzwischen recht intensiven Erfahrungen auf Mac- und Windows-Systemen, möchte ich zu einem kleinen Vergleich nutzen. Natürlich ist dieser Vergleich höchst subjektiv. Ich gehe von meinen Anforderungen und Erfahrungen aus. Ein Grafikdesigner zum Beispiel wird natürlich andere Schwerpunkte setzen und andere Schwachpunkte feststellen; ebenso wird das Fazit eines Hardcore-Gamers anders ausfallen als meine Schlussfolgerung. Das nur als Vorwarnung an die Trolle jedweder Richtung.

Auch werde ich nicht auf die hinlänglich bekannten Vor- und Nachteile beider Betriebssystemfamilien eingehen, wo ich zumeist Vorteile für den Mac sehe: Ja, der Mac läuft in der Tat stabiler; mein MacBook brauche ich wochenlang nicht neuzustarten, sondern lege es einfach schlafen ohne negative Auswirkungen auf die Systemzuverlässigkeit. Die meisten Sachen funktionieren auf dem Apfelrechner so, wie sie sollen und das fällt mir erst dann wieder auf, wenn ich an einem Windowsrechner sitze, wo das nicht immer der Fall ist. Ein richtiges Unix als Unterbau zu haben, erweist sich regelmäßig als äußerst hilfreich: die Konsole habe ich ständig offen und manchmal fällt mir nur dann auf, wie hilfreich das ist, wenn ein Kollege jammert, dass er den großen MySQL-Dump nicht in seine lokale MySQL-Datenbank bekommt, weil sich sein PhpMyAdmin beschwert, die Datei sei zu groß. Über die Konsole ist sowas ruckzuck erledigt. In den meisten Fällen ist ein Mac ein perfekter Kompromiss zwischen Linux und Windows.

Editoren

Aber manchmal merkt man halt doch, dass der Mac ein Kompromiss ist. Besonders intensiv fällt mir das bei den Editoren auf. Textmate ist ein hervorragendes Stück Software, die Bedienung und viele Kleinigkeiten sind eine Wonne und ich würde ihm ganz eindeutig die Auszeichnung “Bester Editor der Welt” verleihen, gäbe es da nicht ein paar Dinge, bei denen er fürchterlich patzt. Auch Smultron ist für eine kostenlose Software wirklich sehr gut; und natürlich hab ich auch Textwrangler, BBEdit und sogar Emacs (der ist auf dem Mac genau so katastrophal wie auf allen anderen Plattformen) ausprobiert. Aber keiner kommt auch nur annähernd an Ultraedit unter Windows heran.

Große Textdateien: Öffnet man mit Textmate eine große Textdatei, fragt er nach, ob man das wirklich machen möchte. Ist man so mutig, darauf mit “Ja” zu antworten, wird man mit einem Editor belohnt, der so lahm wird wie weiland Word für Windows 2.0 auf einem 386SX mit 16 Mhz. Das richtig schlimme daran ist, dass “groß” noch nicht mal wirklich groß bedeutet: Bereits eine 20MB umfassende Logdatei führt zum geschilderten Verhalten. Lediglich die Tatsache, dass derartige Textdateien dank des Unixunterbaus gut auf der Konsole zu traktieren sind, macht dieses Verhalten erträglich. Ultraedit unter Windows hingegen kann sogar gut mit Dateien umgehen, die größer sind als der verfügbare Speicher.

Unicode-Unterstützung: Die Unterstützung von Textmate für eine abwechselnde Nutzung von Latin1- und UTF-8-Dateien ist verwirrend, gelinde formuliert. Während Ultraedit die Kodierung problemlos erkennt und die Umwandlung nur einen Klick erfordert, läuft Textmate nur dann ohne Ärger, wenn ich ihm entweder nur Latin1- oder nur UTF-8-Dateien präsentiere. Jubelt man ihm aber eine “falsche” Datei unter, passiert es regelmäßig, wenn auch nicht immer, dass er die Kodierung vermurkst.

Zusammengefasst heißt das einfach nur, dass Textmate sich schlechter auf wechselnde Anforderungen einstellen kann als Ultraedit - das aber ist für mich eine wichtige Eigenschaft eines Allzweck-Editors. (Wer umgekehrt gerne Textmate hätte, aber der Mac dazu fehlt, kann sich eventuell mit zwei aktuellen Projekten trösten, die versuchen Textmate auf Windows zu übertragen: Intype und E-TextEditor.)

Subversion Clients

Viele Jahre lang waren mir die Software-Verwaltungstools wie CVS oder Subversion suspekt. Das klang alles viel zu kompliziert um wirklich nützlich zu sein. Irgendwann aber habe ich mich doch mit Subversion beschäftigt und es ausprobiert und bin seither richtiggehend angetan davon. Einen großen Beitrag zu meiner Begeisterung leistete TortoiseSVN, ein Subversion Client, der sich in den Windows Explorer integriert und für Arbeitskopien den Zustand über eine kleines Symbol anzeigt. Das ist ungemein praktisch, funktioniert hervorragend und integriert sich gut in meinen Workflow.

Für den Mac gibt es mit SCPlugin ein ähnliches Produkt, das aber leider noch weit von der Zuverlässigkeit von TortoiseSVN entfernt ist. Änderungen an den Dateien spiegelt SCPlugin häufig gar nicht oder erst mit großer Verspätung in den Statussymbolen wider. Der Vorteil eines solchen Tools ist ja, dass ich auf einen Blick den Zustand sehe ohne lange darüber nachdenken zu müssen. SCPlugin scheiter aber genau an dieser Aufgabe und ist daher nutzlos. Zuletzt war ich dazu übergegangen, SVN auf der Kommandozeile zu steuern. Aber svn status zu tippen ist halt wenig elegant, vor allem wenn man eine wunderschöne GUI zur Verfügung hat - und genau für solche Aufgaben der Visualisierung von Zuständen ist eine grafische Oberfläche ja so ungemein nützlich.

Zudem fehlt SCPlugin ein Repository-Browser, also muss ich zusätzlich noch svnx oder RapidSVN nutzen. Und auch diese beiden Clients sind jetzt nicht so, dass ich vor Begeisterung vom Stuhl kippen würde.

GUI Toolkits

Okay, ich habe eingangs davor gewarnt, dass mein Vergleich höchst subjektiv sein wird. Das war er bis jetzt schon, nun wird’s aber richtig speziell. Ich schreibe hin und wieder kleine Tools, die eine simple grafische Nutzeroberfläche benötigen. Dafür eignen sich Toolkits wie Tk oder GTK wunderbar, aber diese erfordern auf dem Mac den Start des X11-Fenstermanagers. Die Fensterchen sehen dann entsprechend fürchterlich aus und außerdem hasse ich es, wenn dieses Anwendungsungetüm von X11 starten muss, nur um ein kleines Progrämmchen zu starten. Laut Apple benötigen zumindest Tkinter (Python), GTK+ (der native Port unter gtk-osx.sourceforge.net wurde zuletzt 2004 aktualisiert) und Perl/Tk X11. Für Perl/Tk gibt es als Ersatz Tkx, das ohne X11 läuft, aber eine erhebliche Änderung des Codes benötigt. Für meine grafische Perl-Shell, den Perl Workspace, hatte ich bisher aber keine Lust, das umzuschreiben.

Bliebe noch WxWidgets. Abgesehen davon, dass ich damit noch keinerlei Erfahrung habe, schreckt mich die ellenlange Installationsanleitung ab. Beim genauen Studium der zig Bildschirmseiten findet sich dann auch der Hinweis, dass die ganze Orgie mit nur einer Zeile zu erledigen ist, falls man MacPorts installiert hat - und falls das funktioniert, möchte man hinzufügen, weil das nicht immer der Fall ist, wie ich leidvoll erfahren musste. (Für die Python-Liebhaber gibt es einen recht aktuellen Artikel über wxPython bei O’Reilly.)

Hat da jemand Java gerufen? Ja, ich weiß, Java bietet plattformübergreifende GUI-Programmierung, aber es ist trotzdem ungeeignet für meine Zwecke, denn ich mag Java nicht. Also werde ich weiter auf die klassischen Unix-GUI-Toolkits zurückgreifen müssen, die - und das ist schon fast ironisch - unter Windows meist besser laufen als auf dem zertifizierten Unix namens Mac OS X.

Browser

Safari 3 ist der beste Browser, den ich jemals benutzt habe und das waren so ziemlich alle seit den seligen NCSA Mosaic-Zeiten. Das Ding stellt - zumindest in der Mac-Version - Webseiten unglaublich schnell dar, ist stabil und einfach angenehm zu bedienen. Zum Surfen gibt’s nichts besseres. Ich benötige aber dummerweise immer wieder mal die eine oder andere Firefox-Erweiterung - und die gibt’s dann halt nur für den Firefox. Und der Firefox auf Mac OS X ist eine lahme Ente. Also arbeite ich auf meinem Mac meist mit dem Safari, hin und wieder mit dem Firefox. Das ist weniger produktiv als unter Windows, wo der Firefox fast so schnell und angenehm läuft wie Safari auf dem Mac. Zwar nur fast, aber dafür halt mit allen Erweiterungen.

Tastaturkürzel

Als Programmierer benötigt man häufig alberne Zeichen wie geschweifte Klammern oder den Backslash. Meines Erachtens sind hier beide Systeme mies. Denn ob ich für den Backslash AltGr-ß drücken muss oder Shift-Alt-7 - egal, es ist beides wenig ergonomisch. Auf dem Mac habe ich inzwischen eine Hassliebe zu Cmd-W entwickelt. Diese Kombination schließt das aktuelle Fenster der aktuellen Anwendung. Das ist sehr nützlich, falls mehrere Fenster geöffnet sind und ich das oberste davon schließen möchte, die anderen aber geöffnet bleiben sollen. Da aber Cmd-W gleich neben Cmd-Q liegt, schieße ich mir regelmäßig die komplette Anwendung ab, also auch die Hintergrundfenster, die ich eigentlich offen haben möchte. Unter Windows ist das äquivalente Ctrl-F4 so fingerbrecherisch, dass ich es so gut wie nie einsetze - und Alt-F4 ebenso selten.

Hardware-Auswahl

Dieser Punkt sagt wenig über die tatsächlichen, fast hätte ich geschrieben: objektiven Schwächen der beiden Systeme aus, aber trotzdem ist die Auswahl an Hardware zu berücksichtigen. Sich auf ein Betriebssystem festzulegen, bedeutet dort ein Stück weit gefangen zu sein. Zwar sind diese Lock-In-Effekte längst nicht mehr so dramatisch wie noch vor zehn Jahren, aber es gibt sie immer noch. Als Nachteil empfinde ich das vor allem für Apple. Das mag ungerecht sein, ist aber Realität. Würde ich mich komplett dem Mac OS X zuwenden, wäre ich auf die Apple Hardware festgelegt. Die ist zwar heute großartig, was aber mache ich, wenn sich das morgen ändert? Und Apple als einziger Hardware-Hersteller hat naturgemäß große Lücken im Angebot. So gibt es nun zwar das MacBook Air, aber ein echtes Subnotebook suche ich dort nach wie vor vergebens. Ich hatte gerade im letzten Jahr derartig wechselnde Anforderungen an meine Arbeitsweisen, dass ich mir gerne die Option offen halte, immer auf eine möglichst passende Hardwarevariante zu wechseln. Mit Windows kann ich das, mit Apple bin ich recht beschränkt.

Apropos Hardware: Seit dem Umstieg auf die Intel-CPUs hat der Mac wieder eine konkurrenzfähige Performance, die alten G4-Dinger waren zuletzt doch arg ins Hintertreffen geraten. So schön das nun auch ist, wieder schnelle Mac-Hardware zur Verfügung zu haben, so gibt es doch auch weniger angenehme Dinge, die ich mit dem CPU-Wechsel verbinde. Die MacBooks brauchen deutlich länger sich schlafen zu legen als die alten G4-iBooks. Bei letzteren klappte man den Deckel zu und das Ding schlief augenblicklich ein; das MacBook kann da schon etliche Sekunden brauchen. Hinzu kommt, dass der Suspend-Mode im MacBook manchmal mehr Strom frisst als er sollte. Und auch der einst so souveräne Umgang, wenn man den Monitorstecker im laufenden Betrieb rauszieht, ist bei den aktuellen Modellen nicht mehr ganz so überzeugend. Es kann schon vorkommen, dass ich den Deckel mehrmals auf und zu machen muss, bis das System kapiert, dass nun kein Monitor mehr angesteckt ist.

Fazit

Das mit dem Fazit ist so eine Sache. Ich kann keins ziehen, zumindest kein endgültiges. Offensichtlich geht’s anderen ähnlich, während manche Wechsler eine abgewogene Schlussfolgerung zustande bringen. Derzeit ertappe ich mich dabei, wieder häufiger auf meinem Thinkpad mit Windows zu arbeiten - im Wesentlichen wegen Ultraedit, TortoiseSVN und dem schnelleren Firefox. Aber das kann sich bald wieder ändern, sobald die Anforderungen andere werden. Und das ist wohl das eigentliche Fazit: Egal ob Windows oder Mac - auf beiden Systemen lässt sich wunderbar arbeiten und selbst der kurzfristige Wechsel zwischen beiden ist heute keine Hexerei mehr.

WLAN-Stärke ausmessen mit Perl und Beschleunigungssensoren

February 13th, 2008

Hatten Sie schon öfter den Wunsch, die WLAN-Stärke in Ihrem Büro oder Ihrer Wohnung schrittgenau auszumessen? Nun, mit einem halbwegs aktuellen ThinkPad (oder mit etwas Anpassung auch jedes andere Notebook mit einem Hardware-Beschleunigungsmesser) und ein paar Perl-Scripts ist das nun ganz einfach möglich.

Im Artikel Take your ThinkPad out for a walk to create wireless site surveys zeigt Nathan Harrington, dass IBM-Programmierer zu viel Zeit haben wie man mit einem Perl-Script die Daten des Beschleunigungssensors ausliest und dazu jeweils die Signalstärke des WLAN misst. Läuft man nun mit dem ThinkPad in der Hand durchs Büro, erkennt das Programm jeden einzelnen Schritt am Ausschlag des Beschleunigungssensors; ebenso werden Drehungen registriert. Nun muss man nur noch in einem definierten Muster spazieren und schon erhält man hinterher eine bunte Karte mit der Signalstärke des eigenen WLAN-Netzes.

Hessische Fremdwörter: Anstand und Würde

January 28th, 2008

Die grundlegende politische Stimmung ist seit Jahren der Union zugeneigt, sie stellt eine äußerst populäre Kanzlerin und regiert in den meisten Bundesländern. Die Arbeitslosenzahlen sind gering wie lange nicht und gerade auch in Hessen brummt die Wirtschaft. In dieser Situation verliert der hessische Ministerpräsident Roland Koch mehr als 12 Prozentpunkte und bleibt um gerade mal gut 3000 Stimmen vor der SPD - vor einer SPD, die lange Zeit weit abgeschlagen war. Die CDU hat in Hessen also trotz einer guten gesamtpolitischen Situation ein Viertel ihrer Wähler verloren. Daraus lässt sich genau eine Schlussfolgerung ziehen: Koch hat’s vergeigt. Er hat eine Kampagne gestartet, die am Ende auf ihn selbst zurückgefallen ist. Der Wähler hat Koch brutalstmöglich abgestraft.

Wer auch nur einen Funken Anstand und Würde in sich trägt, würde nach so einem Ergebnis zurücktreten. Es hat schon Rücktritte für weitaus geringere Fehler und Verluste gegeben. Das ist Teil der politischen Verantwortung. Doch was sagt Roland Koch zum Wahlergebnis: “Zunächst einmal gibt es einen Regierungsauftrag für die stärkste Partei.” Nun sollte es nicht verwundern, dass ein Politiker, der schon zum wiederholten Male einen Krawallwahlkampf führte, bei derartigen Fragen wenig zimperlich ist. Dass für ihn aber offenbar Anstand und Würde komplett unverständliche Fremdwörter sind, das ist geradezu grotesk.

Aber hat er inhaltlich nicht doch recht, soll nicht die größte Fraktion den Regierungschef stellen? Das ist ein Ammenmärchen, das 2005 von Angela Merkel ausgegraben wurde. Während der sozial-liberalen Koalition in den 70ern hat niemand diese Frage gestellt. Und auch 2002 war es völlig unerheblich, dass die SPD ein paar Tausend Stimmen mehr hatte als die Union. Wäre es umgekehrt gekommen, es hätte nichts daran geändert, dass rot-grün weiterregiert hätte.

Der einzige Ausweg aus dem Wahldilemma in Hessen ist ein Rücktritt Kochs. Dann wäre eine große Koalition zumindest vorstellbar.