Stefan Fischerländer’s Blog One Blog Is Not Enough

Sony BMG, DRM-freie Musik und der Musicbon – Geschichten über Kunden und Verkäufer, Teil 1

Januar 25th, 2008

Seit heute verkauft Sony BMG DRM-freie Musik übers Internet. Das berichten jedenfalls mehrere Medien. Bis zur deutschen Sony BMG-Website scheint sich das allerdings noch nicht herumgesprochen zu haben. Nicht nur, dass dort keinerlei Hinweis auf das Angebot zu finden ist, verblüfft. Nein, eine Google AdWords-Anzeige verweist sogar auf den Musik-Download-Shop von AOL. Und natürlich sind die bei AOL angebotenen Musikstücke der Sony BMG-Künstler keineswegs DRM-frei, wie kurze Tests für Alicia Keys und Udo Jürgens zeigten. In der Pressemitteilung, die Google ausspuckt, findet sich dann aber endlich die heiß ersehnte Website: www.musicbon.de/musicbon/. Aber wer glaubt, hier nun endlich DRM-freie Musik runterladen zu können, wird enttäuscht. Denn Sony BMG hat sich ein besonderes Leckerli ausgedacht: download a la card. Was dieses Wortspiel zu bedeuten hat, erklärt die Musicbon-Homepage so:

musicbon unterstützt eine völlig neue Art des Musikkonsums und besteht im Wesentlichen aus 2 Bestandteilen: den musicbon prepaid-Karten und dem musicbon Downloadportal

PrePaid-Karten? Ja, genau, PrePaid-Karten. Der Download-Shop erlaubt zwar tatsächlich den Download von DRM-freier Musik – aber vor den Download haben die Schlauberger von Sony BMG den Weg zum Musikhändler gesetzt. Musikhändler? Ja, genau Musikhändler. Also Ladengeschäfte, die CDs und andere antike Medien verkaufen. Und weil Sony BMG ganz toll ist, sind derzeit nur die Saturn-Filialen mit dabei. Saturn-Filialen? Ja, genau, Saturn-Filialen. Die geilen Geiz-Dinger gibt es ja an jeder Ecke; ich zum Beispiel müsste nur mal 80 Kilometer – einfach – fahren, um einen Musicbon zu kaufen. Ich glaube, Sony BMG hat hier eine wunderbare Marktlücke entdeckt, bin gespannt, ob die Server den zu erwartenden Ansturm aushalten werden.

Aber lassen wir den Sarkasmus mal kurz beiseite: Wer denkt sich einen solchen Schwachsinn eigentlich aus? Entweder haben die Verantwortlichen noch nie auch nur ein Bit im Internet bewegt oder, und das befürchte ich fast, das ganze hat Methode: Alle verlangen von uns DRM-freie Musik, aber wir wollen das doch gar nicht. Dann stellen wir uns mal ganz schlau und bieten zwar DRM-freie Downloads an, machen das aber so kompliziert, dass niemand es nutzen wird. Klasse Idee, Sony BMG!

Exchange Server 2003 erfordert alle 72 Zeichen einen Festplatten-Austausch

Januar 23rd, 2008

Im E-Mail-Standard ist vorgesehen, dass die maximale Länge von Zeilen in einer E-Mail 72 Zeichen beträgt. Nun war ich mir beim Erstellen einer neuen Signatur nicht mehr sicher, ob das wirklich 72 Zeichen oder nicht doch 76 Zeichen waren. Aber auch hier sollte eine Google-Suche schnell Abhilfe schaffen: Die Anfrage [e-mail 72 zeichen] bringt auf Platz eins einen lustigen Treffer von Microsofts Supportseiten:
Eine Festplattenrückgabe wird eingefügt, nachdem 72 jede Zeichen in einem Nur-Textformat Server 2003 in Exchange Messaging

Das kaum verständliche “Deutsch” in der Überschrift zeigt schon, dass es sich um eine maschinelle Übersetzung handelt. Aber was bitte soll eine Festplattenrückgabe sein? Da haben ja Exchange-Administratoren viel zu tun, wenn sie alle 72 Zeichen die Platte wechseln müssen. Ohne Hotswap-Fähigkeit ist man da verloren.

Das englische Original ist leicht verständlich, bleibt aber die Frage, wie das Übersetzungsprogramm auf “Festplattenrückgabe” kommt:
A hard return is inserted after every 72 characters in a plain text message in Exchange Server 2003

Offenbar übersetzt die Maschine “hard return” mit “Festplattenrückgabe”. Ich finde das strange.

Kommt morgen das MacBook Air?

Januar 14th, 2008

[Update]
Es ist das erwartete dünne Subnotebook! Und es heißt MacBook Air. MacRumors.com hat die Fotos.
Gewicht: 1,3 kg
max. Dicke: 1,9 cm

Morgen um 18 Uhr unserer Zeit beginnt die Keynote von Apple-Chef Steve Jobs. Schon lange halten sich die Gerüchte, dass er dabei ein neues leichtes MacBook vorstellen wird. Nun melden mehrere Newsseiten und Blogs, das neue Gerät werde MacBook Air heißen. Untermauert werden diese Gerüchte von Fotos vom Macworld-Ausstellungsgelände, auf denen “There’s something in the air” zu lesen steht. Sogar ein erstes, wohl nicht ganz ernst gemeintes Auspackzeremonie-Video gibt es auf YouTube.

Klar ist nur, dass Steve Jobs eine große Herausforderung bevorsteht, die Keynote des letzten Jahres mit der iPhone-Vorstellung auch nur annähernd zu erreichen. Zumal die Erwartungshaltung durch die vorgezogene Vorstellung der 8-Kern-Macs nochmals gesteigert wurde. Jedenfalls berichten mehrere Analysten von Gesprächen mit taiwanesischen Herstellern, dass ein Subnotebook wohl zu erwarten ist. Ob das dann aber wirklich MacBook Air heißt, werden wir morgen Abend wissen.

CSU-Wahlwerbung mit Verbrecher-Videos

Januar 10th, 2008

Die Union macht Wahlwerbung mit Verbrecher-Fotos. Na und, mögen böse Zungen hier einwerfen, das ist doch nichts neues. Die Münchner CSU aber wirbt nun mit Fotos aus dem inzwischen hinlänglich bekannten U-Bahn-Schläger-Video für die Kommunalwahlen am 2. März; Tenor des Plakats “Was zählt ist Münchens Sicherheit”. Als “Tiefpunkt der politischen Kultur” hat das der Münchner OB Christian Ude laut SZ bezeichnet. Bewundernswert, wie sachlich Ude auf eine derartige niederträchtige Kampagne zu reagieren vermag.

zum Wahlplakat (neues Fensterchen öffnet sich)

Bei all der Aufregung hilft ein Blick auf die Fakten: München ist nach wie vor die sicherste deutsche Großstadt, die Jugendkriminalität allgemein geht zurück, und auch die Zahl der Gewaltdelikte durch junge Menschen bleibt konstant oder nimmt sogar ab:

Die Gewalttaten unter jungen Menschen bleiben sowohl bei Täterbefragungen als auch bei
Opferbefragungen je nach Befragungsgebiet entweder überwiegend konstant oder gehen sogar zurück.

Die Wiesbadener Erklärung des 12. Deutschen Präventionstages, aus der das obige Zitat stammt, fand im Juni 2007 statt; Schirmherr der Veranstaltung war übrigens der hessische Ministerpräsident Roland Koch – genau jener Roland Koch also, der wegen des Vorfalls in der Münchner U-Bahn die Gesetze verschärfen lassen möchte.

Aber eines muss man der Union wirklich lassen: Sie hat es mit dieser inszenierten Kampagne geschafft, die für die anstehenden Landtagswahlen bedrohlichen Mindestlohn-Aktivitäten der SPD in der Hintergrund zu drängen. So läuft’s Business.

Britischer TV-Moderator lernt: Datenschutz ist doch wichtig

Januar 9th, 2008

Der britische TV-Moderator Jeremy Clarkson ist bekehrt. Angesichts der verloren gegangenen CDs mit den Bankdaten von etwa 25 Millionen Briten erklärte der Moderator die kritischen Berichte dazu als übertrieben und meinte, das schlimmste was passieren könne, sei, dass “jemand Geld auf mein Konto einzahle”. Und um seinen Standpunkt zu unterstreichen, veröffentlichte er in der Boulevardzeitung The Sun seine Bankverbindung sowie einige Hinweise zu seiner Adresse. Einige Tage später musste Clarkson eingestehen, dass seine Einschätzung komplett falsch war. Denn ein Unbekannter hat von seinem Konto 500 Pfund an eine Wohltätigkeitsorganisation überwiesen – und die Bank erklärt, sie hätte keine Möglichkeiten herauszufinden, wer das war.

Clarkson ist nun bekehrt, wie The Register meldet:

Contrary to what I said at the time, we must go after the idiots who lost the discs and stick cocktail sticks in their eyes until they beg for mercy.

Eine womöglich lehrreiche Geschichte für all jene Traumtänzer, die stets behaupten, sie hätten nichts zu verbergen.

Wie Internetgebühren, die GEZ und das Kindergeld zusammenhängen

Dezember 17th, 2007

gefunden bei Jens Kunath

Movable Type ist nun Open Source

Dezember 17th, 2007

Movable Type, der Dinosaurier unter den Blogging-Systemen, ist nun – man möchte sagen: endlich – als Open Source freigegeben worden. Der Anbieter Six Apart hat damit auf den anhaltenden Verfall der Marktanteile und den drohenden Sturz in die Bedeutungslosigkeit reagiert. Zwar gab es bereits auch bisher eine kostenlose Version der Blogsoftware, nun aber ist die Software komplett frei:

As of today, and forever forward, Movable Type is open source. This means you can freely modify, redistribute, and use Movable Type for any purpose you choose.

In der deutschen Blogszene reicht es derzeit für einen Marktanteil von nicht mal einem halben Prozent, wie meine Untersuchung von knapp 50.000 Blogs zeigte. Allerdings ist die Software dank des ausgiebigen Supports in Corporate Blogs recht beliebt. Movable Type ist in Perl realisiert; jeder anständige Perl-Hacker hat nun also die Möglichkeit all das einzubauen, was ihm in der Software schon immer fehlte.

via pixelgraphix und bloganbieter.de

Die meinen das auch noch ernst …

Dezember 10th, 2007

Gerade les ich im Fischmarkt vom Redesign der SinnerSchrader-Website. Die Überschrift lautet “Mutig und konsequent” – nun ja, auch wenn diese Begriffe aus Kommentaren zur neue Website entnommen sind, so kommt mir doch das Sprichwort mit dem Eigenlob in den Sinn. Schließlich ist der Fischmarkt ja eine SinnerSchrader-Website.

Doch zur neuen Website selbst. Die Site ist komplett in Flash realisiert. Ich dachte, diese Krankheit hätten Webprofis inzwischen überwunden und nur noch der Friseur um die Ecke würde sowas ernsthaft einsetzen wollen. Wie man sich doch täuschen kann. Die Farben wabern und verfließen ständig zwischen pink und grau; das ganze sieht aus wie einer dieser psychedelischen Visualisierungen in iTunes, die man einmal ausprobiert, dann aber nie wieder startet.

Die wichtigsten Inhalte sind als Links auf bereits vorhandene HTML-Seiten irgendwo im Web realisiert, so blendet etwa ein Klick auf “Matthias Schrader” die Xing-Profilseite des Geschäftsführers ein. Oben bleibt aber stets ein Rahmen der Originalsite sichtbar, genau so wie man das von der Google Bildersuche kennt. Das ist auch bitter nötig, denn dank der Flash-Realisierung funktioniert der Back-Button natürlich nicht.

SinnerSchrader erklärt in seinen “Leistungen”, die im Safari-Browser im Übrigen nicht abrufbar waren:

Wir übernehmen Verantwortung für die digitalen Kundenschnittstellen von Unternehmen mit dem Ziel, tiefe Beziehungen zwischen ihnen und ihren Kunden zu stiften.

Wenn SinnerSchrader die Kundenschnittstellen so gestaltet wie seine Homepage, dann Gute Nacht. Das schlechteste aus allen bisherigen Web x.0-Versionen zu kombinieren alleine ist noch keine Innovation.

Die Web 0.0-Kampagne der Süddeutschen Zeitung

Dezember 10th, 2007

In schöner Reihenfolge erscheinen in der Süddeutschen Zeitung Artikel über Artikel, die sich in eine Anti-Web-2.0-Kampagne einreihen lassen. In der Samstagsausgabe hat nun Bernd Graff dieser Kampagne gleich den passenden Namen gegeben: Web 0.0. Tom Alby hat in seinem Blog den Artikel bereits sachkundig beantwortet. Deshalb möchte ich hier nur auf einen kleinen, aber wie ich finde, gewichtigen, Aspekt eingehen.

Kern der Anschuldigungen gegen das Mitmachweb ist stets das Amateurhafte, das die klassischen Journalisten den Veröffentlichungen im Web unterstellen. Zwar gibt Graff durchaus zu, dass es “hervorragende Expertenzirkel und phantastische Communities mit hoher Sachkenntnis” gebe – um nur wenige Zeilen später über den vermeintlichen “Loser generated content” zu schwadronieren und “Fehlinformation, Denunziation und Selbstdarstellung” als “Tagesgeschäft im Netz” zu bezeichnen.

Diese Anschuldigungen entfalten ihre Absurdität erst dann so richtig, wenn man als typische Tageszeitungslektüre nicht nur die Süddeutsche vor sich hat, sondern auch andere, kleinere Zeitungen. So lag am Samstag neben der Süddeutschen auch meine Regionalzeitung, die Passauer Neue Presse (PNP), auf dem Frühstückstisch. Und in diesem Kontext erhalten Graffs Vorwürfe plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Natürlich gibt es im Web jede Menge Schrott. Doch die Qualität des gesamten Web mit der Qualität der wenigen herausragenden Tageszeitungen zu vergleichen ist unredlich. Denn umgekehrt sähe die Gattung “Tageszeitung” plötzlich ganz alt aus, würfe man alle Zeitungen in einen Topf und vergliche diese dann mit den hochwertigen Inhaltsangeboten des Web.

Zynisch stellt Bernd Graff die Frage, ob denn “Leute, die ihr Poesiealbum veröffentlichen, Meinungsführer werden sollen”. Ein kurzer Blick aufs Bildblog sollte entscheiden helfen, wen man sich lieber als Meinungsführer wünscht.

Programmieren und Scripten

Dezember 10th, 2007

In einem herrlich launischen Beitrag für das perl.com-Blog geht Larry Wall, Schöpfer von Perl, auf die Unterschiede zwischen Programmiersprachen und Scriptsprachen ein. Natürlich ist eine derartige Unterscheidung nicht technisch zu begründen; trotzdem sieht der erfahrene Entwickler einen Unterschied zwischen Scriptsprachen und “richtigen” Programmiersprachen auf einen Blick. Java ist eine “richtige” Programmiersprache, Perl eine Scriptsprache. Soweit wäre alles noch einfach. Doch was ist Lisp? Lisp hat vieles, was heute einer “echten” Programmiersprache zugeschrieben wird, aber auch vieles, was eine Scriptsprache ausmacht. Die Unterscheidung hat wahrlich nichts mit Technik zu tun, viel aber mit subjektiven Einschätzungen und Meinungen. Schließlich schwingt im Ausdruck “Scriptsprache” immer mit, dass sie für ernsthafte Anwendungen nicht zu gebrauchen seien.

Aber zurück zu Larry Wall. Als Einleitung zu seiner Sprachklassifizierung geht er weit in seine persönliche Programmiersprachengeschichte zurück und erklärt dabei, woher er – und damit auch Perl – seine Eigenheiten hat. Dass er natürlich nicht extrem objektiv bleibt, soll nicht verschwiegen werden. Hier nur zwei Auszüge:

  • Python
    Ich weiß nicht viel über Python. Ich habe nur das Objektsystem für Perl 5 davon gestohlen. Das habe ich seither bereut.
  • PHP
    Im großen und ganzen scheint PHP die gleichen Fehler zu machen wie Perl in seinen Anfangsjahren, nur langsamer.