Stefan Fischerländer’s Blog One Blog Is Not Enough

Der Plattformen-Wahnsinn oder: Was Facebook und Safari gemeinsam haben

Die Auseinandersetzung um das Thema Plattformen wird zunehmend skurriler. Eben noch waren Social-Networking-Angebot wie Facebook, MySpace oder LinkedIn genau das: Social-Networking-Angebote. Nun hat Facebook eine API veröffentlicht und macht alle verrückt: Jeder drischt auf MySpace ein, weil die bisher die Veröffentlichung von Widgets eher bekämpft denn unterstützt haben. Dass MySpace nach wie vor doppelt so groß ist wie Facebook, wird dabei schon fast vergessen. LinkedIn beeilt sich mitzuteilen, sich bald genau so öffnen zu wollen - weshalb nun alle Blicke auf Xing gerichtet sind, was die denn so machen werden. (Wobei es Xing bis heute noch nicht geschafft hat, dass man als Nutzer die Kontakte exportieren kann. Man wird doch tatsächlich dazu gezwungen jede vCard einzeln runterzuladen.)

Dann ist da der Browserkrieg 2.0. Worum geht’s dabei? Im Kern um das Gleiche: Um die Beherrschung von Server-basierten Anwendungen. Googles Liebling Firefox wird mit Funktionen ausgestattet, um Online-Anwendungen auch offline bedienen zu können. Apple portiert seinen Mac-Standard-Browser Safari nach Windows, um dort eine Entwicklungsumgebung für die Server-basierten iPhone-Anwendungen zu haben. Und Microsoft kämpft sich derweil damit ab, seine .Net-Technologie (Silverlight) sogar auf dem einstmals ach so verhassten Linux laufen zu lassen, um auch im Kampf der Plattformen dabei zu sein.

Dass Browser zu Plattformen, also zu einem Mini-Betriebssystem werden, ist seit dem ersten Java-Applet von anno 1995 nichts wirklich neues. Nun wollen also auch Websites zu Mini-Betriebssystemen werden. Ich weiß nicht woran das liegt, aber zu Betriebssystemen fällt mir immer spontan der Ausdruck inkompatibel ein - und das ist doch wohl das genaue Gegenteil der Grundidee des Internet.

Wie das dann aussieht, kann man auf der Facebook Developer Site nachlesen: Statt SQL gibt’s FQL, die Facebook Query Language. Die Auszeichnungssprache ist nicht mehr (X)HTML, sondern FBML - Facebook Markup Language. Müssen wir dann künftig auch die Yahoo Markup Language, die Google Markup Language, die MySpace Markup Language und vielleicht irgendwann sogar die T-Online Markup Language lernen?

Natürlich ist das ganze nicht unspannend; eigene Anwendungen für Facebook und Co. schreiben zu können, eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Doch ist mir das Thema zu sehr gehypet im Augenblick.

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