Was wir nicht alles glauben: Brainstorming ist effektiv
Wer hat nicht schon mal im Beruf oder bei ähnlicher Gelegenheit in einer Runde zusammengesessen und gemeinsam Ideen gesponnen? Zentraler Punkt derartiger Prozesse ist dabei das so genannte “Brainstorming“, ein Wort, für das es keine passende deutsche Übersetzung zu geben scheint. Die Teilnehmer sammeln während des Brainstormings gemeinsam Ideen, die hinterher bewertet, verworfen oder manchmal, auch das soll vorkommen, sogar umgesetzt werden.
Nun ist der Wert des Brainstormings so in unseren Köpfen verankert, dass wir gar nicht am Sinn dieser Methode zu zweifeln wagen. Dabei zeigen diverse Untersuchungen wie ineffektiv Brainstorming ist. Interessanterweise belegen diese Untersuchungen nicht nur, dass eine gemeinsame Brainstorming-Session weniger Ideen zutage bringt als wenn die einzelnen Teilnehmer für sich selbst nachdenken würden. Sogar die Qualität der gefundenen Ideen ist in einer großen Runde schlechter als in Einzelarbeit.
Brainstorming mag trotzdem seine Berechtigung haben, denn mit einer Ideenfindung in großer Runde gibt man jedem Teilnehmer das Gefühl Teil des gesamten Entwicklungsprozesses zu sein. Wenn also diese unternehmensinterne Sozialmaßnahme im Vordergrund steht, ist der ritualisierte Prozess der Ideenfindung nicht gänzlich verkehrt. Geht es aber tatsächlich darum viele, womöglich sogar besonders gute Ideen zu erhalten, sollten lieber einige kreative Geister den Freiraum erhalten, um ihre Köpfe der Fragestellung zu widmen.
Spannend ist, diese Erkenntnisse auf die im Zusammenhang mit dem Web 2.0 so gern propagierten Ideen der “kollektiven Intelligenz” zu projizieren. All die Web 2.0-Projekte haben mich bislang nicht von der Existenz einer solchen “kollektiven Intelligenz” überzeugen können. Natürlich ist die Keyword-basierte Kategorisierung von Bildern, Orten oder URLs äußerst nützlich. Aber ist wirklich Intelligenz nötig, um einem Foto, auf dem eine Kirche zu sehen ist, das Keyword “Kirche” zu verpassen?
Web 2.0 bündelt nicht die Intelligenz, es bündelt Wissen. Wissen hat, das sollte allerdings längst bekannt sein, die angenehme Eigenschaft, dass es sich mehrt, wenn man es teilt. Für Intelligenz sieht die Sache offenbar anders aus, wie die Forschungsergebnisse zum Thema “Brainstorming” nahe legen.

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Brainstorming ist eine gute Sache. Kommt aber meistens was Kompliziertes bei raus