Stefan Fischerländer’s Blog One Blog Is Not Enough

Panfu und die Datenarmut

Gestern wurde der 25. Geburtstag des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung begangen – mit überraschend geringem Widerhall in der deutschen Bloggerszene, nur mal so nebenbei bemerkt. Und heute stolpere ich über ein “wunderbares” Fundstück in Sachen informelle Selbstbestimmung. Das Blog Deutsche Startups wählt jährlich das Startup des Jahres. Bei der diesjährigen Abstimmung landete auf Platz 2 die Spiel- und Lernplattform für Kinder namens Panfu. Neugierig geworden, was sich dahinter verbergen mag, klick ich mich da durch und finde diesen Anmeldescreen:

Panfu Anmeldebildschirm

Wer ein Angebot für die Kleinen macht, muss auf Datenschutz ganz besonders achten, das haben die Macher schon verstanden und schreiben als eine von mehreren Regeln, dass die Kids keine persönlichen Daten preisgeben sollen. Aber was fragen die Sitebetreiber zuvor alles ab? E-Mail-Adresse, Geschlecht und sogar das Geburtsdatum. Sind das etwa keine persönlichen Daten? Was versteht Panfu denn dann unter persönlichen Daten von Kindern? Kreditkartennummern? Sexuelle Vorlieben?

Ich verstehe ja, dass ein Sitebetreiber gerne fest angemeldete Nutzer sammelt. Ist gut für einen Exit, irgendwann. Aber um Kinder hier online spielen zu lassen, ist es bestimmt kein Muss; das würde auch in einem Mitgliederbereich ausreichen. Die Motivation hinter der Geschlechterfrage kann ich ebenfalls nachvollziehen, nötig ist es aber ebenfalls nicht. Kids sind durchaus in der Lage, die Spiele anzuklicken, die sie interessant finden; da braucht es keine explizite Vorfilterung nach Männlein und Weiblein. Den Vogel aber schießt Panfu für mich mit dem Geburstdatum ab: Diese Abfrage widerspricht an sich schon dem Gebot der Datenarmut, auf einer Kinderseite halte ich es aber für total unangebracht. Um den Kindern Spiele anzuzeigen, die für ihr Alter geeignet sind, würde eine Angabe des Geburtsjahres absolut ausreichen.

Auch 25 Jahre nach dem Grundrecht auf informelle Selbstbestimmung bleibt noch viel zu tun. Und es wäre nicht falsch, gerade bei den Kleinen besonders darauf zu achten.

3 Responses to “Panfu und die Datenarmut”

  1. Sven says

    Die Anmeldeseite ist ein Widerspruch in sich. Der Hinweis “Ich gebe keine persönlichen Informationen preis.” klingt da wie ein schlechter Scherz zum 1. April!

  2. Robert / Filmblog says

    Lol, ein Geburtsdatum ist also kein persönlicher Datensatz? Was für ein Film läuft denn bei denen? Andererseits aber vielleicht gleich ein gutes Training für die Kleinen, wenn Papa dabei sitzt und gleich mal empfiehlt: “Gib doch einfach was falsches an, das mach ich auch immer so” ;-)

  3. Markus says

    Zudem mal, dass die meisten Kinder keine E-mail adresse haben :/ was sollen die dann eingeben? Die von Papa? damit er dann sich wundert was das soll?

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